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Winterliches Hafenangeln

25.01.2009 - Von Tom Dörner

Tipps und Tricks zum Spinnfischen in der kalten Jahreszeit

Draußen ist es kalt, die Seen und Flüsse frieren langsam zu und in den Gewässern, die noch eisfrei sind, scheint es plötzlich keine Fische mehr zu geben. So viel zur schlechten Nachricht – aber es gibt auch eine Gute: Es gibt nämlich noch Stellen, an denen man auf Raubfische angeln kann und diese Stellen finden wir jetzt im Hafen.

Klicken für Großansicht Dabei bietet der Hafen gleich in mehrerlei Hinsicht ideale Vorraussetzungen für die erfolgreiche Fischwaid. Nachdem das letzte Laub gefallen ist und die Temperaturen spürbar in den Keller gegangen sind, verlagern viele Fische ihre Standorte aus den strömungsreichen Gewässerabschnitten des Flusses in die Kräfte sparenden ruhigeren Bereiche, um dort mit sinkender Wassertemperatur auch ihren Stoffwechsel deutlich herunterzufahren. Dabei stehen sowohl Weißfische, als auch die Räuber oftmals dicht beieinander.

Die richtigen Stellen
In größeren zusammenhängenden Hafengebieten ist es trotzdem nicht immer ganz einfach, die heißen Stellen zu finden. Daher gilt es hier, genau so wie beim Fischen in den anderen Jahreszeiten, zunächst die Hotspots ausfindig zu machen. Idealerweise finden Sie einen Warmwassereinlauf. Zum einen ist das Wasser hier meist deutlich wärmer, zum anderen wird durch die Wasserbewegung auch Nahrung frei gespült die Weißfische anlockt und wenn der Tisch so reich gedeckt ist, kommen auch gerne die Raubfische vorbei, um sich den ein oder anderen leicht erbeuteten Snack zu gönnen. Hinzu kommt, dass hier das Wasser meist trüber ist, als in den ruhigen Bereichen, alles in allem also ideale Vorraussetzungen, besonders für Stachelritter.
Neben Einläufen sind, wie auch in der wärmeren Jahreszeit, auch die Mündungsbereiche direkt an der Strömungskante interessant. Auch wenn die Fische im Winter auf Grund des verlangsamten Stoffwechsels nur wenig fressen, bleiben die Übergangsbereiche zwischen ruhigem und bewegtem Wasser auch im Winter während der oft nur kurzen Fressphasen immer interessant.

Klicken für Großansicht Findet man ein Hafenbecken, in das ein Warmwassereinlauf mündet und das direkt an den Hauptstrom angrenzt, ist das quasi mit einem Sechser im Lotto vergleichbar. Bedingt durch das warme Wasser läuft der Stoffwechsel der Fische auch im Winter auf recht ordentlichen Touren und durch den unmittelbar angrenzenden Strom bleibt der Tisch an Nahrung reich gedeckt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass hier häufig auch schneller neue Fische nachrücken, denn die genannten Hotspots leiden im Winter doch recht häufig unter einem massiven Angeldruck.
Wenn die Fische sehr passiv sind, lohnt es sich nach den besonders tiefen Stellen Ausschau zu halten. Gerade bei sehr kaltem Wasser ist dies fast immer ein Garant für Winterfänge. Da Wasser bei 4 Grad Celsius seine größte Dichte hat, also am Schwersten ist, bildet sich an den tiefsten Stellen der Bereich mit dem wärmsten Wasser – denn das kältere Wasser ist leichter und befindet sich darüber!

Die richtige Tageszeit
Die richtige Tageszeit zu finden ist im Winter wesentlich schwieriger, als im Rest des Jahres. Oft beißen die Fische während nur kurzer Phasen, die es zu erwischen gilt. Wann genau diese Phasen sind, ist sehr unterschiedlich, hier hilft es nur, viel Zeit am Wasser zu verbringen und herauszufinden, welche Zeit gerade die Beste ist. Schaue ich in mein Fangbuch der letzten Jahre, zeigt sich, dass die Phase nach Sonnenaufgang und am Morgen immer wieder schöne Fische bringt. Ist der Himmel bedeckt, ist auch die Mittags- bis Nachmittagszeit interessant. Oft kommt es aber auch vor, dass die Fische erst in vollkommener Dunkelheit während der Nacht beißen.

Der richtige Köder
Klicken für Großansicht Oft hört man, dass man im Winter mit größeren Ködern fischen sollte, da die Fische so mit nur wenig Energieaufwand eine große Portion erwischen können. Ich gebe zu, das klingt im ersten Moment plausibel und mag auch an manchen Gewässern zutreffen, ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass auch im Winter die Köder am besten fangen, mit denen man sonst im Jahr die besten Erfolge hat. Oftmals haben sich die Fische im Hafen auf ein bestimmtes Beuteschema eingestellt – und das verändern sie auch im Winter nicht. Ich fische übrigens das ganze Jahr hindurch mit Shads, die eine ausgeprägte Aktion zeigen! Zwar habe ich im Winter meist auch eine kurze Zupfrute dabei, mit der ich No/Low-Action-Shads durch das kalte Wasser zupfe, 95% meiner Fische fange ich jedoch auf Köder mit lebendigem Spiel. Meiner Meinung nach ist die Schwanzform des Köders weniger entscheidend, als die Führung, denn wenn ich meinem Köder vertraue und ein gutes Gefühl für den Schaufelschwanz habe, kann ich den Shad sehr abwechslungsreich und gegebenenfalls auch passiv führen.

Die richtige Taktik
Muss man nicht gerade besonders weit werfen, um die besten Stellen, wie Vertiefungen, oder Kanten zu erreichen, sollte man seine Köder nicht zu weit in die Ferne katapultieren.
Klicken für Großansicht Da in Häfen sehr häufig Spundwände das Ufer säumen, kommen viele Bisse direkt vor den Füßen, denn hier ist das Wasser oft genau so tief, wie an den anderen Stellen. Besonders Zander und Barsche passen ihre Beute hier ab und verleiben sich Ihre Mahlzeit ohne großen Energieaufwand ein, denn den Kleinfischen ist durch die Spundwand der Fluchtweg versperrt. Wie eben schon angedeutet, fange ich hier sehr viele Fische mit Schaufelschwanz-Shads, die ich vertikal unter der Rutenspitze anbiete, also ruckartig anhebe und dann auf der Stelle, kurz über Grund verharren lasse. In dieser Phase pendelt der Schwanz des Shads aus und häufig stupsen die Zander den Köder nun zunächst ein bis zweimal leicht an, bevor sie ihn mit voller Härte attackieren. Wichtig ist, bei den ersten Stupsern nicht sofort anzuschlagen, sondern den Shad leicht auf der Stelle zu zupfen, bis der Biss spürbar erfolgt. Dann erst schlägt man wie gewohnt hart an. Wer möchte, kann auf diese Art und Weise auch einen Versuch mit dem Drop Shot Rig wagen. Ideal eignen sich für diese Fischerei übrigens Stellen an Verengungen, zum Beispiel unter Brücken.

Die richtige Ausrüstung
Auch im Winter fische ich die gleiche Rute, wie im Sommer, in der Regel eine harte 2,70m lange Gerte, mit ausgeprägter Spitzenaktion an einer 3000er bis 4000er Rolle. Zusätzlich habe ich die eben angesprochene Zupfrute für die aktionsarmen Köder und das Dropshoten, sowie das Fischen unter der Rutenspitze an der Spundwand dabei. Hier kommt eine kleinere Stationärrolle, oder auch eine kleine Baitcaster zum Einsatz.

Klicken für Großansicht Besonders wichtig ist aber warme und trockene Kleidung, denn wenn der Angler friert, ist der Spaß schnell vorbei und der Angeltag beendet, noch bevor er richtig angefangen hat. Hier gilt das Prinzip der Zwiebelschale, also mehrere Schichten übereinander. Warme Füße, eine Wollmütze und Handschuhe sind absolute Pflicht, auch wenn ich dann nicht immer mit dem Finger an der Schnur fischen kann.

Zum Schluss noch ein Tipp bei vereisten Rutenringen: Es wird oft empfohlen, im Winter auf monofile Schnur zu wechseln, davon halte ich nicht viel, da eine gute Köderkontrolle und ein harter Anhieb nur schwierig zu gewährleisten sind. Ich verwende lieber ganzjährig eine qualitativ sehr hochwertige Schnur, wie zum Beispiel die Stroft GTP, die auch bei Eisbildung noch recht geschmeidig bleibt und befreie die Ringe nach jedem zweiten Wurf vom Eis. Ich rate übrigens dringend von Vaseline und Co ab. Meistens wird die gewünschte Wirkung nicht erreicht und gerade zähe Fette wie Vaseline verkleben die Ringe und die Schnur nur unnütz. Maximal etwas Schnurfett aus dem Stippanglerbedarf kann helfen, damit das Geflecht nicht auf der Spule festfriert.

Mit diesen Tipps lässt es sich auch bei Minusgraden fischen und fangen, sollte es aber tatsächlich einmal so kalt werden, dass Schnur und Ringe nicht mehr fischbar sind, bleibe ich übrigens lieber zu Hause, trinke einen warmen Kakao und träume von den künftigen Fängen und den Tagen am Wasser, wenn das Eis geschmolzen ist und die Sonne mit ihren milden Strahlen den baldigen Frühling ankündigt.