Auf Raubfisch am Nordhollandkanal
Angelfreunde unterwegs
Von Henning Horn
23.10.2009 Warmenhuizen, Niederlande - Am Samstag den 17.10.09 ging es endlich los. Nachdem in den letzten Tagen die Vorfreude bereits unerträglich wurde und das Equipment vorbereitet war, hat mich Angelfreund Christian morgens bei mir in Bochum eingesammelt. Warmenhuizen, ein kleiner Ort nördlich von Alkmaar heißt unser Ziel und Zander und Hecht sind für die nächsten Tage unsere Zielfische. Christians Eltern sind dort im Besitz eines Bungalows, welcher uns als Basis dienen sollte und Christian verfügt dank vieler Urlaube dort über einige Gewässerkenntnis.
Um zehn Uhr waren wir vor Ort und um zehn nach zehn hielten wir unseren Vispas in den Händen. Nachdem wir uns für die nächsten Tage mit Verpflegung versorgt hatten und Vla und Heineken kaltgestellt war, konnte es endlich mit der Fischerei losgehen.
Als erstes versuchten wir es direkt am Bungalowpark im Nordholland-Kanal leider ohne Erfolg, kein Räuber wollte auf unsere Köder hereinfallen. Also schnell das Gewässer gewechselt. Die nächsten Versuche führten uns an kleinere Gräben, in denen Christian schon Früher gefangen hat. Nur war das im Sommer und jetzt, Mitte Oktober hatten unsere Zielfische diese Gräben scheinbar schon wieder verlassen.
Nun denn, erneuter Platzwechsel. Wieder ging es an den Nordholland-Kanal, diesmal nach Zijpersluis (Sluis = Schleuse). Dort münden drei Grachten in den Kanal, eine sehr ansprechende Angelstelle man möchte meinen Fangstelle. Wir entschieden uns für unterschiedliche Taktiken. Christian wählte die Dropshot Montage und ich versuchte es mit einem Kopyto River Größe 4 auf Grund des trüben Wassers in der Farbe gelb/rot.
An dieser Stelle muss ich mal einwerfen, dass weder Christian noch ich große praktische Erfahrung mit der Gummiköderfischerei auf Hecht und Zander haben oder zumindest nicht sonderlich erfolgreich waren. Zwar verfügen wir beide über das theoretische Grundwissen, aber wirklich beweisen konnten wir es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nach kurzer Zeit hatte ich dann den ersten Biss und damit auch gleich den ersten Fisch des Urlaubs. Ein 22 cm Barsch hat den Gufi direkt nach dem Eintauchen inhaliert. Nach ein paar Fotos durfte er dann wieder schwimmen und wir feierten den Fang mit einem leckeren Fläschchen Heineken.
Der nächste Wurf hatte es dann auch gleich wieder in sich. Kaum berührte mein Köder das Wasser und schon war die Rute krumm. Ein wohlgenährter Hecht von 66 cm konnte dem Kopyto nicht wiederstehen.

Jetzt hatte der Urlaub richtig begonnen. So hatten wir uns das vorgestellt. Als nächstes war dann endlich Christian dran. Sein erster Fisch war ebenfalls ein Barsch von 25 cm.
Als langsam die Dämmerung einsetzte, wechselte ich auf einen weiß/grünen Kopyto. Wie sich herausstellte stand diese Farbkombination der anderen in nichts nach. Zwei Zander von jeweils 35 cm sollten dem Gufi verfallen.
Das war es dann aber auch mit dem ersten Tag. Weitere Fische wollten in totaler Dunkelheit nicht mehr gefangen werden. Nach meinen ersten Versuchen als Raubfischangler an Rhein und Rhein-Herne-Kanal wähnte ich mich nun im Paradies. Müde und hungrig, aber zufrieden machten wir uns auf den Heimweg. Wir hatten die richtige Methode und die richtigen Köder gefunden, der nächste Tag konnte kommen.
Der Sonntag begann um 6.40 Uhr. Da am Vortag die Abenddämmerung Erfolg brachte, wollten wir es nun in der Morgendämmerung versuchen. Das Frühstück musste dafür warten. Fangplatz sollte diesmal die Kanalbrücke in Schoorldam sein. Für jemand der noch nie da war: ich will es mal so beschreiben, wenn ich Zander wäre, dann bitte dort.
Der erste Eindruck hat auch nicht getrogen. Einen schönen Z-Fisch von 45 cm konnte ich dank eines gelb/roten Gufi zu einem kurzen Landgang überreden. Für diesen feuchtkalten Morgen sollte es leider der einzige Fischkontakt bleiben.
Bei einem reichhaltigen Frühstück planten wir den weiteren Tagesablauf. Kurz zusammengefasst sollte er so aussehen: Köderfische fangen und mit selbigen dann die Zander überlisten. Gesagt getan, wieder zur Erfolgsstelle vom Vortag und Stipprute ausgepackt. Parallel dazu fischte Christian mit der Feederrute auf Weißfische und ich fischte mit Wagglerpose und Wurm auf Barsche. Da sich an der Köfi-Front trotz Futter nichts tat, waren wir über die Abwechslung an den beiden anderen Ruten sehr dankbar. Christian fing einige fette Rotaugen, eine ca. drei pfündige Brasse und einen Barsch und ich konnte 8 Barsche bis 30 cm und ein Rotauge als Beute verbuchen.
Man könnte nun meinen, einer dieser Fische hätte als Köder dienen können, doch nein, sie waren uns zu groß. Denn gegen Mittag fanden sich auf der gegenüberliegenden Seite zwei ältere Herren ein, bewaffnet jeweils mit Plastikköfferchen und einer Teleskoprute, und gekleidet, als kämen sie gerade aus der Kirche. Wie sich herausstellte war ihr Auftreten totales Understatement. Innerhalb von anderthalb Stunden wanderten zwei Kanalräuber in ihren grauen Müllsack. Wobei es sich bei dem ersten um einen Zander 70plus handelte, gefangen auf vielleicht fingerlange Köderfische.

Aber egal, so langsam kündigte sich die Dämmerung an und wir nahmen wieder die Spinnruten zur Hand. Christian versuchte es mit einem Kopyto in gelb/schwarz und ich erneut mit gelb/rot. Für mich verlief der Abend wie ein Spiegelbild des Vortages. Auf einen Barsch (Baars) folgte ein Hecht (Snoek) von 70 cm und auf diesen folgten erneut zwei Zander (Snoekbaars) von 49 cm und 35 cm.
Danach hatte Christian keine Lust mehr nur ständig meine Fänge zu fotografieren und fing nun endlich auch seinen ersten Zander der Tour. Er maß 35 cm und rief unglaubliche Freude hervor. Mit diesem Fang endete auch Tag zwei und wir freuten uns auf den nächsten Morgen.

Wir blieben unserer Strategie treu und begannen auch den Montagmorgen an der Brücke. Der gelb/rote Shad sollte es bei uns beiden richten. Den Auftakt zu einem sehr erfolgreichen Angeltag machte ich mit meinem größten Zander mit 59 cm. Diesem einen folgte noch ein Zweiter von 40 cm.
Christian konterte die Zander mit einem schönen 66er Esox.

Nach dem Frühstück bemühten wir uns erneut um Köderfische. Diesmal an kleineren Gräben, von denen sich der Zweite förmlich als Köfi-Becken herausstellte. Ruckzuck hatten wir genügend zusammen und wir machten uns auf zu einer neuen Stelle. Wir wählten die Mündung eines Nebenkanals in den NHK über den auch noch eine Brücke führte. Es sah hier sehr erfolgversprechend aus, allerdings schien dort auch häufig gefischt zu werden, denn das Ufergras sah aus, wie der Rasen von Wimbledon am Tag des Herrenfinals. Leider hatten wir die Rechnung ohne den sehr starken Westwind gemacht, denn trotz warmer Kleidung war es dort nicht lange auszuhalten.
Also wieder die Klamotten ins Auto geworfen und ab zurück zu der Topstelle an die Brücke.
Mit jeweils einer Rute und einem Köfferchen suchten wir längst der Spundwand nach Zandern und Hechten. Nach einer Weile wurde Christian fündig. Die Tauchfahrt der Pose quittierte er mit einem Anhieb und der Fisch hing ... nicht.

Also, neuer Köfi neues Glück. Kurz nachdem er es an derselben Stelle erneut versuchte erfolgte auch prompt der nächste Biss, doch auch dieser führte nicht zum gewünschten Drill. Wieder hing der Fisch nicht, sondern klaute nur den zweiten Köderfisch. Nun gut, wie heißt es so schön, aller guten Dinge sind drei. Der Köfi war gerade einmal eine Minute im Wasser, da tauchte die Pose auch erneut ab und Christian konnte den Verursacher nun auch endlich haken. Nach kurzem Drill wanderte sein zweiter Hecht des Tages in den Kescher, dieser mit 68 cm ein wenig größer als der erste.

Wir entschieden uns für eine kurze Pause bei Kaffee und Vla im Bungalow und kehrten zur Dämmerung erneut zur Brücke zurück.
Wieder einmal sollten uns Kopytos zum Erfolg verhelfen und wieder einmal taten sie es auch. Ich konnte mit einem weiß/gelben einen netten 52er Zander fangen und Christian gelang der Fang eines 56er Snoekbaars.
Mit diesen schönen Fängen endete dann auch Tag drei.

Der Dienstag begann für uns erstmalig mit einer Morgenvisite in Zijpersluis, denn die Brückenräuber hatte sich nun wirklich mal eine Pause verdient.
Letztmalig konnte ich mich an diesem Morgen in die Fangstatistik eintragen. Ein 40 cm Z-Fisch konnte dem gelb/roten Kopyto nicht wiederstehen. Christian blieb in dieser Fangphase ohne Fisch, jedoch sollte sich dies im weiteren Tagesverlauf noch ändern. Allerdings verlor er an diesem Morgen einen ca. 60er Hecht kurz vor dem Kescher.

Mittags besorgten wir uns erneut Köderfische, um es dieses Mal wie morgens an der Schleuse zu versuchen. Wir präsentierten die Köder auf dem Grund, mit Pose im Freiwasser und an der Spundwand, flach und im Mittelwasser jeweils ohne Erfolg. Christian nutzte die Zeit, um mal eine härtere Rute zum Gummifischangeln auszuprobieren und schon nach ein paar Würfen spürte er den ersten Biss, den er allerdings nicht verwerten konnte. Erneut die Stelle angeworfen und schon war die Rute krumm. Der größte Fisch der Tour hing am Band. Ein 74 cm Hecht fiel wieder einmal auf den gelb/roten Kopyto herein.
Am letzten Abend unserer Tour sind wir dann erneut an die Brücke gefahren. Dort verlor ich leider schon kurz nach unserer Ankunft einen Zander von ca. 50 cm beim Keschern. Christian machte es deutlich besser, denn ihm war es vergönnt die letzten beiden Zander unserer Tour an den Nordhollandkanal zu fangen. Zur Abwechslung führte bei den Fischen von 45 cm und 49 cm diesmal ein weiß/brauner Kopyto zum Erfolg.

Wir versuchten es zwar am Mittwochmorgen erneut an der Brücke, doch weitere Fänge wollten einfach nicht mehr gelingen. Die Luft war sowohl bei uns als auch bei den Fischen raus, aber das machte überhaupt nichts. In den dreieinhalb Angeltagen konnten wir insgesamt 13 Zander und fünf Hechte überlisten und davon nur einen Hecht auf Köderfisch. Der Rest ist den Kopytos erlegen. Es fehlte zwar der Ausnahmefisch, aber den werden wir dem NHK schon noch entlocken, denn für uns steht fest, dass wir den Trip wiederholen werden. Wir haben alle Fänge zurückgesetzt, damit sie hoffentlich weiterhin tüchtig abwachsen und beim nächsten Mal wieder ans Band gehen – wir kommen wieder!