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Ostseetour April 2009
Den Meerforellen auf der Spur

Von Stefan Bluemer

15.04.2009 Mühlheim an der Ruhr - Anfang April sollte es mich aus beruflichen Gründen wieder einmal an die Ostsee verschlagen. Daher habe ich so großzügig geplant, dass an jedem Tag noch ein paar Stunden Luft blieben, um auf Silberbarren zu jagen.

Station 1: Usedom
Kurz vor Polen ist die Angelwelt nicht in Ordnung. Auf der offenen Seeseite braucht man gar nicht erst den Versuch zu unternehmen, zielgerichtet zu angeln. Der Strand geht kaum merklich, extrem flach in tieferes Wasser über und ist fast überall ohne jede Struktur. Zudem ist das Meerwasser dort kein Meerwasser, sondern durch die Oder so stark ausgesüßt, dass auf der Seeseite Brassen, Rotaugen und Zander zu fangen sind. Berufsfischer, die ihre Stellnetze weit außen platzieren, fangen auch Meeresfische. Früher einmal, da habe es auch sehr große Meerforellen gegeben. Seine größte (mit dem Stellnetz erbeutete) MeFo hänge in der Fischerbude an der Promenade, brummelte ein alter Ostseebär. Und tatsächlich: Ein Brummer, der angeblich –und glaubwürdig- 37 Pfund auf die Waage gebracht hat, hängt als schlechtes Präparat sehr imposant in der dunklen Spelunke. Foto machen? Sinnlos.
Also gut. Usedom abhaken.

Klicken für Großansicht Station 2: Hohwacht
Der zweite Angelversuch wird in der Hohwachter Bucht bei Johannistal unternommen. Vielversprechend vor einer Steilküste stehen auch schon etliche MeFo-Jäger auf dem steinigen Grund. Alle aber ohne Erfolge. Bis einer kommt, zielstrebig 250 Meter weiter geht als alle anderen, einen Wurf macht und ...rumms… einen famosen Drill zu bestehen hat. Der Lohn: eine fette 72er MeFo. Wow, was für ein toller Fisch, den ich da sehen darf. Motivation pur. Klicken für Großansicht Er habe jetzt zwei Wochen Urlaub gehabt und bisher keine einzige mäßige MeFo gefangen, freute sich der gut ausgestattete Petrijünger, am letzten Tag für die Mühe doch noch belohnt worden zu sein. Schulterklopfen und Anerkennung waren ihm gewiss.
Ich selber muss mich an diesem Tag damit begnügen, eine weitere große MeFo außerhalb der Wurfweite steigen zu sehen. Schneider bleibe ich dennoch nicht, denn ein vorwitziger Seeskorpion, in schillernd buntem Laichkleid, verfängt sich an meinem Spinner. Hübsches Fischlein, Du kommst natürlich unversehrt wieder zurück!

Station 3: Fehmarn
Danach steht Fehmarn auf dem Programm. Der lokale Angelgerätehändler verrät mir, dass derzeit die Ostküste, relativ weit nördlich, ganz gut sein müsste. Und auch, dass ein Snaps in Kupfer mit 20 Gramm perfekt sein sollte. Ich nehme trotzdem lieber die 25 Gramm-Variante und stehe am späten Mittag am Naturstrand südlich von Marienleuchte, fische gerade die erste Rinne ab, als es schnackelt.
Klicken für Großansicht Wild durchstößt eine MeFo sofort die Wasseroberfläche und versucht wütend, meinen Köder abzuschütteln. Mir gelingt es, den Fisch danach unter der Wasseroberfläche zu halten und zügig müde zu drillen. Als der Silberbarren sicher am Steinstrand liegt, bin ich happy. Kein Riese, aber immerhin eine 51er MeFo! Wohlgenährt und bildhübsch. Der Wind lebt derweil immer mehr auf und so hat es bald keinen Sinn mehr, dagegen anzuwerfen. Ich rufe den Angelladen an und erkundige mich, nach gebührenden Dank für den ersten Ortstipp, wo es bei dem nun wehenden Wind Sinn geben könnte, es weiter zu versuchen. Wallnau im Westen, dort sei auch gut gefangen worden. Okay, also auf nach Wallnau. Dort teilen sich bereits zwei MeFo-Angler einen Strandmeter. Wahnsinn, nicht wirklich schön. Das Wasser ist sehr ruhig und außer der Sonne gibt es nichts, worüber man sich freuen könnte. Eine MeFo reicht am Tag aber auch. Zufrieden bin ich und genieße am Abend eine nicht enden wollende Portion frischer Bratheringe. Lecker.

Klicken für Großansicht An meinem Abreisetag entschließe ich mich, den Hausstrand noch zu testen. Gegen 7 Uhr mache ich mich direkt in Hohwacht auf und sehe, wie drei andere „Kollegen“ auch schon im Wasser stehen. Wie immer beangele ich aber, ehe ich in die Fluten steige, erst noch den direkten Uferbereich. Und wieder habe ich scheinbar einiges richtig gemacht. An einem Stein, dessen dunkle Umrisse ich ausgemacht hatte, schießt ein Torpedo auf meinen Blinker zu und attackiert heftig. Adrenalin pur, wenn man sehen kann, wie eine Forelle auf den Köder zurast. Dieses Mal freue ich mich über eine 48er Steelhead, man könnte den Fisch auch Regenbogenforelle nennen. Egal, gut gekämpft und blitzblank.

Klicken für Großansicht Am Strand sorgt dieser Fisch noch für einiges Aufsehen, denn die morgendlichen Spaziergänger berichten, dass selten so große Fische an diesem Strand gefangen werden. Na und? Ist mir doch egal!
Ich bin jedenfalls mit dem kurzen Trip an die Ostsee rundum zufrieden. Dafür, dass ich nur so wenig Zeit für die Angelei hatte, sind das Ergebnis und auch das Erlebnis einfach schön gewesen.
Vom Glück, auf Usedom einen Seeadler beobachten zu können und etliche Kraniche hören und sehen zu dürfen, kann an anderer Stelle berichtet werden. Auch ein imposantes Seegewitter, das an einem Abend zu einem gefühlten Weltuntergang geführt hatte, sei hier nur am Rande erwähnt. Ich kann allen nur raten: Fahrt an die Ostsee und versucht Euer Glück. Die MeFos sind da und es ist einfach riesig, so einen tollen Fisch zu fangen. Ostermontag freut sich erst die Räuchertonne und dann die Familie auf diese Wildfänge! Tight lines!