Hechtattacke vor Rügen
…und Zander aus dem Hamburger Hafen
Von Henning Horn
11.11.2009 Rügen - Die Insel Rügen mit den Boddengewässern und der Ostsee gehört wohl zu den vielseitigsten Angelrevieren in Deutschland. Die Ostsee lockt mit Lachsen, Meerforellen und dicken Dorschen und die Bodden sind bekannt für ihren sehr guten Hecht- und Zanderbestand. Dabei wachsen gerade die Hechte sehr gut ab. Nirgendwo in Deutschland ist die Chance auf einen Meterhecht größer als hier.
Eben diesen Hechtriesen wollten wir, mein Hamburger Angelfreund Marco und ich, letzten Samstag nachstellen. Da wir bereits Pfingstmontag einen Schneidertag beim Watangeln auf Rügen hatten, buchte Marco diesmal einen Guide. Andreas von Boddenfishing sollte uns von Barhöft aus mit dem Boot auf dem Kubitzer Bodden zu großen Hechten führen.
Damit sich für mich die Reise von Bochum in den hohen Norden lohnt, startete ich bereits Freitag Richtung Hamburg. Ich wollte noch den Zandern im Hafen einen Besuch abstatten.
Bei der Anreise nach Hamburg übermittelte mir Marco die Nachricht, dass unser Guide Krank sei, es jedoch ein Ersatzmann zu Verfügung stünde. Ich hoffte auf kein schlechtes Omen.

In Hamburg angekommen, steuerte ich eine Stelle an, welche mir der Co-Moderator der Angelfreunde Stephan Mohr empfohlen hat. Leider habe ich ihn missverstanden und hatte zwar am richtigen Ort, jedoch an der falschen Stelle gefischt. Bei Niedrigwasser landete ich neben sehr vielen Blättern einen Brassen den ich seitlich hakte. Ich wechselte daraufhin die Stelle und fuhr einen interessanten Angelplatz an, den ich bereits Pfingstsonntag mit Stephan erfolglos befischte. Gerade dort angekommen, verließ eine Sportskameradin mein Ziel. In der rechten Hand die Spinnrute und in der linken einen Zander von ca. 50cm. Ich gratulierte ihr zu dem Fang und sie entgegnete noch ein Paar drin gelassen zu haben, des Weiteren gab sie mir den Tipp, es mit Schockfarben zu versuchen.

Ihrem Ratschlag folgend montierte ich einen
Kopyto 4 in Gelb mit rotem Rücken. Es sollte sich auszahlen. Nach nur wenigen Würfen kam beim Absinken ein Biss und kurze Zeit später kescherte ich einen Zander von 54cm. Glücklich meldete ich Stephan meinen ersten Hafenzander und während dessen tauchte plötzlich vor mir ein Seehund auf. Da mir mein Telefon auch als Kamera dient, war es leider nicht möglich ein Foto zu machen, schade.

In der Folge sollte es nicht bei dem einen Zander bleiben. In den nächsten anderthalb Stunden glückten noch drei weitere Fänge. Am Ende des wundervollen Angeltages standen vier Zander von zwei mal 54cm, 56cm und 58cm zu Buche. Einfach Wahnsinn, ein Fang wie er sicherlich schwer zu wiederholen sein wird und der eigentliche Höhepunkt des Wochenendes sollte am Samstag ja erst folgen.
Die Nacht zu Samstag war früh vorbei. Um halb fünf nahmen wir Kurs Richtung Barhöft. Drei Stunden später wurden wir von Ersatzguide Jörg vor Ort begrüßt und um acht lenkte er das Boot aus dem Hafen den Hechten entgegen.
Das Wetter war wunderbar, die Sonne schien und die Windstärke lag nur bei vier. Um diese Jahreszeit hätte man durchaus schlimmeres Wetter antreffen können. Nun kommt das große ABER. Der Wind kam aus Osten. Jörg sagte dazu: „Wind aus Osten, Haken rosten“ oder „Aus dem Osten kam doch noch nie was Gutes“. Er kommt übrigens selbst aus Meckpomm und hatte dabei ein Grinsen im Gesicht. Am Vortag waren die Bedingungen identisch und die Ausbeute bestand bei Chefguide Jörg Schütt und seinen Gästen nur aus zwei Hechten.

Uns wurde früh klargemacht, dass ein eventuelles Erfolgserlebnis hart erkämpft werden will und wir nicht mit großen Stückzahlen zu rechnen haben. Leider sollte es dann auch tatsächlich so kommen.
Wir fischten mit Gummifischen von 16cm bis 27cm Länge. Die meiste Zeit viel unsere Wahl auf 23cm Shads von Relax in Natur- und Schockfarben mit 20 Gramm Köpfen und zwei Angstdrillingen. Recht früh umwickelten wir uns die Ringfinger der rechten Hand mit Tape um ihn vor der Belastung beim Wurf zu schützen. Es ist schon sehr ungewohnt mit solch großen Ködern zu werfen, wenn sonst nur mit 4er Kopytos geangelt wird.
Trotz der schlechten Vorhersage und der anstrengenden Fischerei ließen wir uns die gute Laune und die Hoffnung auf einen großen Fang nicht nehmen. Nach ca. zwei Stunden hatte ich den ersten vorsichtigen Anfasser. Deutlich waren die Bissspuren auf dem Gufi zu erkennen. Kurz darauf das gleiche Spiel bei Marco. Bissspuren auf dem Gufi-Schwanz doch der Fisch hing nicht. Fische waren also dar, nur wollten sie nicht so richtig zupacken. Einige Zeit später bemerkte ich weitere Wunden an der Flanke meines Shads ob die aber neu waren oder vom ersten Kontakt herrührten kann ich nicht sagen.
Um Mittag trafen wir Jörg Schütt mit seinen drei Guiding Gästen auf dem Wasser. Sie hatten morgens einen Hecht von knapp über einen Meter gelandet, aber seit dem herrschte auch bei ihnen Flaute. In der Gegend, in der wir uns bewegten, waren sicherlich 15 weitere Boote unterwegs und bis auf das Keschern eines Zanders konnten wir nichts Ermunterndes beobachten.

Im Laufe des Tages schraubten wir die Erwartungen immer weiter hinunter. Ich fragte Jörg der wievielte Schneidertag es denn dieses Jahr für ihn sei. Es wäre sein zweiter entgegnete er. Wir rechneten also nicht mehr mit Erfolg. Die Hoffnung auf den großen Fang hegten wir jedoch noch immer.
Einer der letzten Ankerplätze sollte dann tatsächlich noch Erfolg bringen. Endlich konnte ich „FISCH!!“ verkünden. Nachdem ich meinen Köder sicherlich bereits zehnmal an dem Hecht vorbei geführt habe, wollte er wohl nur den Störenfried vertreiben. Zu seinem Pech blieb er dabei am hinteren Angstdrilling hängen. Als der Hecht erstmalig auftauchte konnten wir sehen, dass er nur ganz knapp gehakt war. Im Kescher sahen wir dann wie viel Glück ich hatte. Nur ein Haken hing ganz vorne im Oberkiefer. Bei der Größe des Fisches irrten Marco und ich sehr. Wir tippten zuerst auf irgendwas um die 60cm. Wie sich herausstellte, ließen wir uns von dem großen Köder und riesigen Kescher fehlleiten. Mit diesem Fisch verbesserte sich mein Hechtrekord auf 82cm.
Es sollte leider bei dem einen Fang bleiben. Mit Einsetzen der Dämmerung beendeten wir den Angeltag und steuerten wieder den Hafen an.
Unsere Hoffnungen auf den Meterhecht wurde nicht erfüllt. Ein schöner Angeltag war es trotzdem für uns beide und für mich verlief er ja auch durchaus erfolgreich.
Rückblickend war es ein super Angelwochenende. Es brachte tolle Fische, schöne Erlebnisse und durchweg gute Laune.
Den großen Hechten geht es dann halt ein anderes Mal an den Kragen.