Waller-Knaller zum Saisonauftakt
…und es gibt sie doch!
Von Tom Dörner
07.06.2010 Duisburg - Welcher Angler kennt sie nicht, die Geschichten von Fängen, die „erst letzte Woche“, oder „gerade gestern“ stattgefunden haben. Meistens kennt in diesen Geschichten immer irgendjemand irgendwen, der bei solch einem Fang dabei war. Meistens war ausgerechnet an diesem Tag der Akku der Kamera leer, oder der Fotoapparat wurde zu Hause vergessen, oder ähnlich.
Sprich: Diese Fänge klingen nach Anglerlatein und sind selten mehr als Legenden.
Manchmal passieren solche Fänge aber tatsächlich, doch davon später.

Alles begann wie in jedem Jahr beim Gemeinschaftsfischen der Angelfreunde im Duisburger Hafen. Wir trafen uns am Eisenbahnbassin zum Anangeln und bereits am frühen Morgen konnten einige Zander gelandet werden. Als am Eisenbahner nichts mehr ging, zog das Grüppchen weiter an einen Mündungsbereich. Hier konnten einige weitere Glasaugen und zwei schöne Barsche jenseits der 35cm Marke, gefangen auf Dropshot Montage auf die Schuppen gelegt werden.
Als auch hier erst einmal Ruhe einkehrte, entschloss sich unsere Gruppe die für unsere Gemeinschaftsveranstaltungen schon obligatorische Frühstückspause an unserer Lieblingstanke einzulegen. Bei Kaffee, belegten Brötchen, Bockwurst und Co trudelten auf diese Art immer mehr Angelfreunde ein und unsere Gruppe wurde komplettiert.

Mittlerweile zeigte sich auch die Sonne von ihrer strahlenden Seite, kein Wölkchen am Himmel und es wurde immer heißer.
Dennoch ließen wir uns nicht aufhalten und einige Angelfreunde fischten bis in die Abenddämmerung weiter. Bis dahin konnten neben den beiden bereits erwähnten Barschen an die 10 kleineren Zander von uns überlistet werden.
Doch nun zur Fortsetzung der Geschichte aus der Einleitung, denn nach einigen konzentrierten Würfen an eine Strömungskante war auf einmal bei Angelfreund Gordon die Rute richtig krumm. In den ersten Sekunden des Drills glaubten wir noch an einen kapitalen Zander, doch schnell wurde klar: Das kann nur ein Wels sein.

Auch der Fisch hatte mittlerweile gemerkt, dass seine vermeintliche leichte Beute (in Form eines 4er Kopytos) einen Haken hatte und legte sich nun platt auf den Grund. Nur unter größter Anstrengung gelang es Gordon den Fisch von der Strömungskante fern zu halten und als nach ca. 15 Minuten Drill das erste mal ein heftiger Schwall an der Oberfläche auszumachen war wurde klar, da hat ein guter Fisch gebissen!
Im Folgenden tanzte Sportsfreund Gordon mit dem Waller regelrecht auf dem Vulkan. Sein Tackle (eine leichte Jigrute mit 4-28g Wurfgewicht) war ständig an der Belastungsgrenze und der Fisch wollte nicht nachgeben.

Jedes mal, wenn einige Meter Schnur gewonnen wurden, riss sich der Fisch die eroberte Leine plus einige Meter mehr von der 4000er Spinnrolle. Zwischenzeitlich wurde der Schnurvorrat sogar sehr knapp und die Fluchten des Fisches mussten mit etwas mehr Druck eingebremst werden.

Mittlerweile waren bereits 35 Minuten heißen Drills vergangen, als der Fisch sich erneut zeigte und es wurde klar: Das ist wirklich ein guter Waller – und das von einer Spundwand im Hafen aus!
Während Gordon weiter drillte, stellte sich für uns die Frage „wie wollen wir den Fisch denn landen“? Das ist nämlich gar nicht so einfach ohne Boot, wenn ein Fisch vom Ufer aus beißt.

Nach 40 Minuten Drill kam der Waller endlich an die Oberfläche. Mittlerweile war kaum noch auszumachen, wer erschöpfter war, der Wels, oder Angelfreund Gordon?!
Und noch immer war die Frage nach dem Ort der Landung nicht geklärt.

Nach weiteren 10 Minuten gelang es uns dann aber den Fisch vorsichtig zu einer Steinpackung zu führen und es gelang mir, den Urian vorsichtig mit dem Wallergriff zu landen.
Was für ein Fisch!

Das Maßband blieb bei 1,63m stehen und ein erfolgreicher Angeltag wurde gekrönt. Das gesamte Fängerteam, bestehend aus Gordon, Pierre und mir konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen – wieder einmal hat das Revier rund um den Duisburger Hafen sein tolles Fischpotenzial unter Beweis gestellt.

Gestern Abend ging es dann nach stark gestiegenen Pegelständen noch einmal kurz für zwei Stündchen die Lage am Rhein checken. Die meisten Buhnen sind noch immer vom Wasser überspült, aber die Pegel fallen bereits wieder leicht. Peter und ich konnten jeweils einen kleineren Zander überlisten und im Restlicht des Tages konnte dann noch dieser Stachelritter auf einen dicht unter der Oberfläche geführten Husky Jerk auf die Schuppen gelegt werden.
Die Saison hat begonnen!