Meerforellen-Attacke in Schweden
Die Angelfreunde unterwegs in Blekinge
Von Dennis Phil Hansen
05.04.2009 Blekinge, Schweden - Am 23.03. war es endlich so weit. Olli, Wilfried, Steffen, Jan und ich auf dem Weg ins Meerforellenparadies Blekinge. Wir hatten zwar schon die schlechten Wetterprognosen in den Köpfen und stellten uns auf eine harte Woche ein – doch dass es so frostig kommen würde, hätte keiner gedacht.

Den Montag starteten wir mit einer fetten Shoppingtour, die bei Go-Fishing in Odense (DK) startete. Weitere Öre ließen wir dann im Abu-Werksverkauf in Svängsta (SE) und machten unsere Geldbeutel dann letztendlich im lokalen Fiskeshopen in Mörrum (SE) leer. Dort gab es die begehrten selbstgebauten Watstöcke zu kaufen, ohne die ein waten an den Küsten nur schwer möglich ist. Nach einer Megasupermaxikebap (ca. 50cm) checkten gegen 19:00 Uhr wir bei meinem Freund Markus ein und verdauten das Ungetüm mit ein paar Schnäpsen. Später am Abend kamen dann Whiskey und Bindestöcke auf den Tisch. Steffen schien beim Tüddeln den richtigen Riecher für den nächsten Tag gehabt zu haben… oder war es der Alkohol, der ihn trieb?

Den ersten Angeltag wollten wir voll auskosten und kamen früh aus den Federn. Um 06:00 Uhr standen Steffen und Jan neben meinem Bett und erzählten mir irgendetwas von großen Sprungschanzen, Eis und Schnee. Nach einem Blick aus dem Fenster wurde mir schnell klar, wie die beiden Chaoten auf dieses merkwürdige Thema gekommen waren: Mist, das ist ja wirklich Schnee! Wie sollten wir mit meinen abgefahrenen Reifen an unsere Angelspots kommen. Na ja, irgendwie sollte es ja schon klappen und so packten unsere 7 Sachen. Olli hatte zwischenzeitig die Autos vom Schnee befreit.

Alle waren guten Mutes und hatten nur noch ein Ziel im Kopf. Den größten Druck hatte wohl Jan, der in diesem Urlaub seinen ersten Fisch mit seiner Fliegenrute überlisten wollte. Es ging also Richtung Fisch und wir sollten auch gleich unser erstes Abenteuer erleben. Olli und Wilfried kamen 150 Meter vor unserem Hot-Spot vom Feldweg ab und rutschten mit dem 3 Wochen alten Passat CC in den Graben.

Wir hatten keine Chance den Wagen zu befreien und riefen schließlich die Falk-Pannenhilfe. Als der Abschlepper nach 3 Stunden eintrudelte, ergab sich ein neues Problem: Der Abschlepper war zu breit für den Feldweg. Die Seilwinde war darüber hinaus zu kurz und mit einer Verlängerung war es vom Winkel her nicht möglich, den Wagen aus dem Graben zu ziehen. Darüber hinaus war der Feldweg inzwischen von Schneeverwehungen unbefahrbar. Unsere erste Aufgabe bestand also darin, unsere Schnurkörbe als Schneeschieber zu missbrauchen.

Nach 5 Stunden war der Wagen endlich befreit. Olli und Wilfried konnten sich mit diesem Spot aber nicht mehr so recht anfreunden und so fuhren wir zum nächsten Küstenabschnitt mit breiterem Feldweg. Die letzten Stunden des Tages sollten belohnt werden. Das Wasser hatte noch knapp 4 Grad. Nach ein paar Würfen drillte ich den ersten Fisch, der aufgrund seiner Größe von knapp 50cm wieder schwimmen durfte. Dann kam lange nichts. Daher suchten wir seichteres Wasser auf und Steffen konnte wenig später einen schönen 60er Fisch auf Fliege drillen.
Er hatte den Abend zuvor wohl doch den richtigen Riecher beim Fliegentüddeln gehabt. Olli wechselte schnell seine Fliege und konnte gegen 17:00 ebenfalls einen 60er Fisch an seiner Rute drillen. Für Olli war es der größte Fisch an seiner Fliegenrute und der Urlaub stand unter einem guten Stern. Nur Jan fragte sich ernsthaft, ob sein Urlaubsziel noch erreicht werden konnte. Abends besuchten wir noch einen meiner Freunde Ulf in Mörrum. Ulf ist begeisterter Lachs- und Meerforellentubenbinder. Er führte uns in seine spezielle Bindeweise ein und erzählte uns viel über die Fischerei an der Mörrum. Als ich in die Runde blickte, sah ich in viele glänzende Augen und es war eine atemberaubende Begeisterung im Raum. Wir konnten Ulf noch ein paar Tuben abluchsen, die wir in den kommenden Tagen an einer geheimen Geheimstelle zum Einsatz bringen wollten.

Der Besuch bei Ulf war wohl ausschlaggebend dafür, dass Jan sich an diesem Abend das erste Mal an den Bindestock begab. Unsere Warnung: „Das erste Mal ist immer umsonst“ schien er zu ignorieren. Und so sollte er noch einige Öre im lokalen Angelladen lassen.
Über Nacht hatten wir -10 Grad und mein Freund Kalle erzählte uns am nächsten Morgen, dass das Wasser in der Pukavikbucht auf 1,5 Grad gefallen war. Normalerweise hätte ich mit jetzt spätestens wieder gemütlich ins Bett gelegt und weitergeschlafen. Meerforellen stellen die Nahrungsaufnahme ab 2 Grad Wassertemperatur ein und unsere Chancen standen damit bei Null. Wir versuchten es aber dennoch. Wir fuhren zu einem Platz, an dem das kalte Mörrumwasser etwas weiter entfernt war. Mein Thermometer zeigte 2,2 Grad.

Wir starteten also einen Versuch. Das Fliegenfischen mussten wir aber schnell aufgeben. Sobald wir etwas langsamer einstrippten, ist uns die Schnur an den Rutenringen festgefroren.
Wir blinkerten noch eine Runde, wechselten noch einmal den Spot, gaben schließlich doch auf und beschlossen, den Tag mit Whiskey und Fliegentüddeln ausklingen zu lassen. Jan fing also wieder keinen Fisch. In seiner leichten Depression begab er sich noch einmal an den Bindestock und da war es um ihn geschehen. Der Einkaufzettel für seine drei Lieblingsmuster war schnell geschrieben.
Da sich die Bedingungen immer noch nicht geändert hatten, fuhren wir zu einer geheimen Geheimstelle. Dabei handelt es sich um eine Au, die vor ein paar Jahren noch ein Top-Meerforellenrevier bekannt war. Leider haben unsere Landsleute diese Au innerhalb von 3-4 Jahren total zerstört. Menschenhorden sind in Reisebussen an die Au gefahren worden, um richtig Fleisch zu machen. Inzwischen hat die Au fast gar keinen Aufstieg mehr – aber von lokalen Fischern habe ich erfahren, dass letzten Sommer 5 Tonnen Regenbogenforellen aus einer Zucht in die Au entflohen sind und seitdem regelmäßig schöne Regenbogenforellen zu fangen sind. Bevor wir also zu Hause bleiben sollten, bewaffneten wir uns mit den Tuben von Ulf und fuhren für ein paar Stunden an die Au.

Olli und ich fingen zusammen drei Fische zwischen 2-3 kg. Olli konnte seine beiden Fische im oberen Bereich überlisten und ich fing meinen Fisch direkt in der Flussmündung, in der ich noch auf eine einsame Mefo gehoffte hatte. Jan musste wieder Schneider nach Hause gehen.
Was sich als sehr interessant herausstellte: mein Fisch war ein Blankfisch, der aus dem Meer zum Aufsteigen kam und der sich schon wieder in voller Flossenpracht befand. Eventuell hat die Au das Potential, in ein paar Jahren zu einem Top Revier für wilde Regenbogner zu werden.
In den späten Nachmittagsstunden fuhren wir noch einmal in die Schären der Pukavikbucht, um erstmals dem Hecht nachzustellen. An dem Hot-Spot angekommen, kamen mir fast Tränen in die Augen. Über die ganze Bucht war ein Netz gespannt. Einen Meter unter dem Schilfgürtel. Darüber hinaus befanden sich drei Schiffe in der Bucht, um die Schilfgürtel gezielt zu befischen. Es hatte sich in den letzten Jahren wohl herumgesprochen, dass hier regelmäßig Hechte bis 20kg gefangen werden. Nach einer halben Stunde gaben wir total durchgefroren auf und fuhren zurück in unser Häusle. Olli und Wilfried beschlossen am Abend, aufgrund der schlechten Bedingungen schon am Samstagmorgen abzureisen. Die Luft war irgendwie bei allen raus. Nur Jan trieb Steffen und mich noch weiter an, denn er hatte sein Urlaubsziel ja noch längst nicht erreicht.

Freitag war Premierentag an der Mörrum. Traditionell wird das Fischen mit einem großen Volksfest durch einen Kanonenknall eröffnet. Da mussten wir auf jeden Fall dabei sein – wenn auch nur als Zuschauer. Nach und nach trudelten berühmte Lachfischer und Legenden ein. Alle wollen dabei sein, wenn der erste Fisch der Saison an der Mörrum gedrillt wird. Direkt mit dem Kanonenknall schossen auch die ersten Angelschnüre in die Mörrum und ein paar Sekunden später wurde auch schon der erste Fisch der Saison gedrillt.
Nachdem wir uns beim Bäcker mit leckeren belegten Brötchen versorgt hatten, fuhren wir gegen Mittag nach Skane. Die Region ist wohl das beste Meerforellenrevier Europas. Normalerweise meide ich diese Küstenstrecken, da hier zu 99% Absteiger gefangen werden. Mir war es aber wichtig, dass Jan irgendwie noch seinen Fisch an die Leine bekommt. Und in Blekinge waren die Bedingungen einfach zu hart, um einen Fisch für Jan zu garantieren.

An unserem ersten Spot hatte das Wasser knapp 4 Grad. Die Bedingungen sollten also ausreichen, um einen braunen schlanken Fisch an die Leine zu bekommen. Der Wind kam ablandig, was für das Fliegenfischen sehr angenehm war. Nur die Wellen machten uns zu schaffen.
Wir kämpften uns zunächst an eine Riffspitze und wurden schnell von den Wellen geduscht. Fischen mit Schnurkorb unmöglich. Wilfried und ich entschieden uns für die Spinnrute und Steffen, Jan und Olli suchten sich ruhigere Plätzchen auf höher gelegenen Steinen.
Die Fliegenfischer hatten die richtige Wahl getroffen. Zumindest drillte Steffen wenige Momente später den ersten Fisch des Tages.

Ein Zweiter folgte. Beide Absteiger zwischen 55 und 60 wurden released.
Nachdem sich dann einige Zeit nichts mehr tat, beschlossen wir einen Ortwechsel. Es sollte jetzt von Feldplateaus gefischt werden. Auf dem Weg dahin bekam Jan seinen ersten cholerischen Anfall. Seine Geduld war am Ende. Was machte er nur falsch? Mit arger Wut im Bauch ging es also an den nächsten Spot. Und da Bilder mehr als Worte sagen schaut euch das nächste Bild an:

Richtig, Jan fing endlich seine erste Mefo mit 55cm – und das mit der ersten Selbstgebundenen!
Jetzt wollte Jan den Sack voll machen und legte schnell noch eine größere von gut 60 nach!
In der Dämmerung machten wir uns dann wieder auf nach Mörrum, um die Fangzahlen des Tages zu sichten. 182 Fische! Darunter einige schöne Hybriden von bis zu 7kg!

Als ich am Samstagmorgen aufwachte, waren Olli und Wilfried schon auf dem Weg Richtung Heimat. Steffen, Jan und ich verbrachten einen gemütlichen Vormittag in Mörrum. Zunächst fuhren wir an den Fluss, um Ulf ein paar Wurftricks abzuschauen.

Dann ging es noch mal in den lokalen Angelladen, um eine Grundausstattung für Jans Bindekünste zu erwerben.
Da es an diesem Samstagmorgen ein bisschen milder geworden war, wagten wir uns noch mal an einen lokalen Küstenspot. Leider wurde ich als einziger dafür belohnt und fing einen blanken Fisch, der knapp 70 als Maß hatte.

Am Abend waren wir noch mal bei Ulf eingeladen, um ein paar schöne Polarfuchsstücke für Jan zu besorgen. Wir zeigten Ulf den Fisch, den er vor einem Jahr erst als Besatzfisch in die Mörrum ausgesetzt hatte. Man sieht die Markierung an der nicht vorhandenen Fettflosse.
Sonntagmorgen wurden dann noch unsere letzten Schlammspuren in Markus Haus vernichtet und dann ging es wieder Richtung Heimat. Unterwegs wurden schon die Pläne für die nächsten gemeinsamen Touren ausgefeilt, bis wir uns dann gegen 16 Uhr in Flensburg trennten.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass jeder Fisch bei den kalten Bedingungen sehr hart erarbeitet werden musste. Zwei Grad Wassertemperatur hätten wesentlich mehr Fische gebracht. Hut ab vor dem Durchhaltevermögen unserer Truppe!
Nicht nur daher noch mal einen herzlichen Dank an Olli, Wilfried, Steffen und Jan. Wir waren eine tolle Truppe, mit der ich gerne wieder ein paar Tage im Meerforellenparadies verbringe!
Wer im nächsten Jahr Interesse an einer geguideten Meerforellentour in Südschweden oder Dänemark hat, meldet sich einfach bei mir.
Dennis Phil Hansen
Mail: dennisphilhansen@yahoo.de