Sternstunde an der Ostsee
Die Angelfreunde eröffnen die Mefo-Saison
Von Stefan Blümer
01.11.2009 Kiel - Mit dem mir bis dato nur virtuell über die XING-Angelfreunde bekannten Hanseaten Stephan Mohr hatte ich mich an der Ostsee zu einem Angeltag mit Zielfisch Meerforelle verabredet.
An einem Wochentag wollten wir gemeinsam ans Wasser gehen, um dem Ansturm der MeFo-Süchtigen am Wochenende zu entgehen.
Gesagt, getan. Am Freitag, 30.Oktober war es endlich so weit.
Der sublokale Spitzenguide hatte einen Spot zwischen Kiel und Fehmarn als Treffpunkt angesetzt. Und das passte mehr als perfekt.
Die Tage zuvor war strammer, auflandiger Wind gewesen. Der hatte zum Freitagmorgen rechtzeitig so nachgelassen, dass man wunderbar fischen konnte, das Wasser aber noch immer von dem Wind leicht bewegt und vor allem, noch immer angetrübt war. Das Meer roch förmlich nach Fisch!
Menschenleer war am zeitigen Morgen (also nach einem guten Frühstück) der Strand, als ich voller Vorfreude und schon in Wathose auf Stephan wartete. Pünktlich traf er ein und zügig ging es ans Wasser.
Die Faszination, die der „Fisch der 1.000 Würfe“ ausstrahlt, ist nicht in Worte zu fassen. Es ist einfach ein tolles Erlebnis, mit schlanker Gerte den Köder richtig weit in die Fluten zu pfeffern und in jedem Moment den Biss eines Traumfischs erwarten zu dürfen. Auch wenn das eben nicht allzu oft passiert. Die Spannung ist da. Dazu noch das Erlebnis von Natur und Weite, von Harmonie der Urgewalten, der Blick auf einen endlosen Horizont, immer mit der Chance, auch mal einen Schweinswal zu sehen. Einfach großartig.

Doch an diesem Tag sollte es nicht beim Naturerlebnis bleiben. Guide Stephan führte mich zielgenau an den Fisch. Dass ein Schwarm Möwen, der sich in Wurfweite vom Ufer niedersetzt, kein schlechtes Zeichen ist, ist klar und so gingen wir ein paar Meter den Möwen entgegen.
Es war erst kurz nach 10, als ich nach einem weiten Wurfe den Köder schon fast bis vor meine Füße eingeholt hatte. Hinter einem dicken Stein löste sich ein Schatten und schwamm blitzschnell auf meinen Blinker zu. Das Adrenalin schoss in Maximalausschüttung in meine Adern und in dem Moment rappelte es auch schon. Wow! Was für ein Biss! „Fisch!“ rief ich noch im Moment des Schlages zu Stephan rüber, der sofort die wenigen Schritt zu mir herüber kam, um den Fisch zu keschern. Doch da musste er noch ein bisschen Geduld haben, denn diese MeFo war nicht so schnell zu bezwingen. Dreimal hatte ich den Fisch schon bis kurz vor dem Netz, als es immer wieder eine kurze Flucht gab. Es gelang mir immerhin, den Brocken tief zu halten und so keinen Sprung zu forcieren. „Die ist braun“, dachte und sagte ich, weil in dem trüben Wasser die Farbe verfälscht war.
Als endlich die Kräfte bei der MeFo schwanden und Stephan gekonnte den Kescher unter den Körper der Salmo Trutta Trutta schob, war ich sehr erleichtert und auch der Guide freute sich mit mir. Noch mehr, als doch klar zu sehen war, dass dieser Fisch lose Schuppen hatte und gänzlich silbern in der Sonne glänzte.
57cm zeigte das Maßband. Welch ein gelungener Auftakt. Dieser prächtige Fang sorgte schon jetzt für ein zufriedenes Dauergrinsen.
Mehr kann man von einem Angeltag auf MeFo nicht erwarten! Doch es sollte noch einiges folgen.

Nachdem ich den erfolgreichen Blinker wenige Würfe später in den Fluten der Ostsee versenkt hatte, musste ein anderes Modell herhalten. Und trotz dieses Wechsels dauerte es wieder nicht lange, bis erneut kurz unter Land eine MeFo bei mir einstieg.
Hier war schnell klar, dass dieser Fisch nicht so groß sein konnte, denn die Bewegungen war viel ruppiger und hektischer. Souverän landete Stephan auch diesen Fisch. Wunderschön gezeichnet, voll im Fleisch, 44cm, ein traumschöner Fisch! Aber leider schon mit leichtem Braun. Also setzte ich die MeFo vorsichtig zurück ins kühle Nass. Die herzliche Gratulation zum zweiten Salmoniden nahm ich gerne entgegen.
„Jetzt bist Du aber dran“, rief ich Stephan zu, als wir wieder vorsichtig ein Stück ins Meer wateten. Doch der Nordländer musste sich noch weiter gedulden, sich als interessierter und aktiver Zuschauer betätigen.

Denn, man mag es kaum glauben, ich hatte das unfassliche Glück, eine dritte mäßige MeFo zu fangen! Um 13.45 Uhr hatte ich noch –halb im Scherz- zu Stephan gesagt, dass er um 20 nach 2 eine MeFo fangen würde. Bereits um punkt 14.00 Uhr schepperte es aber wiederum bei mir. Dieses Mal allerdings weit draußen. Etwa 50 Meter entfernt zog ein starker Fisch ganz ruhig an meiner Schnur. Wie elektrisiert sagte ich, dass es dieses Mal eine Große sein müsse.
Nun ja, groß ist relativ. Einjeder MeFo-Fischer, der eine solche Trutte landet, wird glücklich sein, auch wenn der Fisch letztlich doch nur so gekämpft hat, als wäre er ein ganz Großer. 47cm, aber in Top-Kondition, leider auch wieder ganz leicht angebräunt. Keine Frage für mich, diesen Fisch wieder schwimmen zu lassen. So lecker und einmalig MeFo aus meiner Räuchertonne auch ist: Laichkleid ist Laichkleid. Ab zurück, in drei Jahren und nach einigen Tausend Jung-MeFos als Nachwuchs sehen wir uns wieder!
„So langsam mache ich mir Gedanken, irgendetwas falsch zu machen“, freute sich Angelfreund Stephan Mohr ehrlich mit mir, was meine Freude an den tollen Fischen noch steigerte. „Nein, nein, Stephan, Du machst alles richtig, wirst gleich auch noch Deinen Fisch fangen!“
Stephan wurde allerdings noch ein weiteres Mal auf die Folter gespannt, als ich gegen 15 Uhr schon wieder einen Fisch am Band hatte. „Herr Blümer, kann das sein, dass Du gerade Deine VIERTE Forelle drillst“, schwang in der fragenden Stimme von Keschermeister Stephan Mohr Respekt und Freude mit.
Dieses Mal konnte man allerdings nicht wirklich von einem Drill sprechen, denn ein kleiner, sicher knapp maßiger Dorsch, hatte sich über den Blinker her gemacht und ließ sich wie ein nasser Sack randrehen. Der soll noch schwimmen und wachsen, das war klar! Noch im Wasser abgehakt, ging es weiter.

Endlich hatte auch Stephan Fischkontakt. Den ersten Biss konnte er noch nicht verwandeln. Beim zweiten Fisch ging aber auch bei ihm endlich die Post ab. Statt zu warten, bis ich zum Keschern bei ihm war, versuchte der Zander-Spezialist die MeFo zu stranden – und scheiterte damit. Fluchend versuchte er noch, im flachen Wasser kniend (in Wathose schon ein besonderes Bild!) den Fisch zu greifen, aber da war die Trutte natürlich viel schneller. Fluchend, denn es war ein hübscher Silberling von gutem Maß in den Mittvierzigern, war Stephan kurzzeitig enttäuscht. „Weitermachen, geht doch“, machte ich dem ruhigen und sehr angenehmen Angelpartner neuen Mut.
Und tatsächlich, wenige Minuten später durfte ich endlich für Stephan einen wunderwunderschönen Fisch keschern. Ein runde 45er MeFo hatte den Kampf verloren, blitzblank und perfekt. Die Freude von Stephan war logischer Weise groß. Eine MeFo in dieser Größe ist einfach ein toller Fisch!
Wir flachsten angesichts dieses Traumtages, dass nun noch ein 70er Dorsch und die Sichtung von Schweinswalen fehlten, um den Tag endgültig absolut perfekt zu machen. Und auch diese Wünsche wurden uns noch (fast komplett) erfüllt. Der mit den Schweinswalen zufällig zu einer Zeit, als ich kurz am Ufer stand und mit einem -angesichts der Fangmeldungen beeindruckten- MeFo- und WoBa-Spezi auf Sylt telefonierte. Die Schweinchen waren allerdings weit draußen und auch nur kurz in Sicht.
Der Dorschwunsch wurde in einsetzender Abenddämmerung erfüllt. Zwar kein dicker Brummer von 70cm, aber immerhin Mitte Vierzig, also ideal für die Pfanne. Diesen Fisch gab ich später in die Hände der vorzüglichen Küche meines Hotels und wurde mit einem wahrhaft leckeren Mahl belohnt. Die 13 Gault Millau-Punkte dieser Küche sind nicht zufällig vergeben. Mit einer phantastischen Senf-Cognac-Sauce schmeckte der kurz gebratene Fisch einfach großartig.
Dieser Dorsch war aber noch immer nicht der Schlusspunkt.

Als wir schon in Gedanken auf dem Abmarsch waren, zuckte nochmals meine Rute. Dieses Mal war es tatsächlich die vierte Meerforelle, die meinem Köder nicht widerstehen hatte können. Blank zwar, aber deutlich unter Schonmaß, wurde dieser Fisch natürlich so vorsichtig wie möglich wieder ins Meer entlassen.
Ein absolut perfekter Angeltag, eine absolute Sternstunde der Angelei ging so zu Ende. Stephan hatte dreimal Kontakt und hat am Ende eine schöne MeFo mit nach Hause genommen. Ich selber war vom Glück übermäßig bedacht. Vier Meerforellen und zwei Dorsche – unglaublich, einfach großartig!
Abgesehen von der grandiosen Fischerei war es einfach sehr nett, Stephan Mohr persönlich kennen zu lernen. Wieder hatten sich die XING-Angelfreunde als sehr gute Plattform erwiesen. Danke, lieber Stephan, für Dein Guiding und diesen großartigen Angeltag! Gerne wieder. Möglichst bald!